Digitale Bestandserfassung für Retrofit
Aufgabenstellung
Für einen Kunden an einem Entwicklungsstandort mit mehreren, teils siebenstöckigen Gebäuden sollten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der Lüftungstechnik umgesetzt werden. Die vorhandenen Anlagen wiesen nicht nur eine geringe Energieeffizienz auf, sondern hatten aufgrund ihres Alters und Zustands auch das Ende ihrer Betriebszeit erreicht.
Teilweise waren zudem noch reine Prozessabluftanlagen ohne jegliche Wärmerückgewinnung im Einsatz.
Die zentralen Zu- und Abluftgeräte in den Dachzentralen wurden daher durch moderne Anlagen ersetzt.
Für die Prozessluftanlage mit örtlich getrennten Zu- und Abluftgeräten wurde als Insellösung eine Wärmerückgewinnung in Form eines Kreislaufverbundsystems geplant.
In diesem Zusammenhang sollte auch die Kanalführung in den Installationsschächten des siebenstöckigen Gebäudes von der Dachzentrale bis in den Keller angepasst und für die aktuelle Nutzung optimiert werden. Dazu gehörte ebenfalls die Demontage bestehender Lüftungssteiger, um Platz für die neuen Kanäle zu schaffen.
Problemstellung
Die Grundfläche des Schachtes betrug etwa 20 m², bei zugleich sehr hoher Installationsdichte. Zusätzlich war der Schacht bereits durch großvolumige Medienleitungen für Heizung und Kühlung, Elektrotrassen und weitere technische Installationen belegt.
Aufgrund des Planungsstands aus dem Jahr 1986, der nahezu ausschließlich in Papierform beziehungsweise als gescannte PDF-Dateien vorlag, konnte zunächst keine verlässliche Aussage über die Machbarkeit der Maßnahme getroffen werden. Hinzu kam, dass seit der Errichtung des Gebäudes Umbauten im Installationsschacht vorgenommen worden waren, für die keine Revisionsunterlagen vorhanden waren.
Das Gebäude war durchgängig in Betrieb. Nicht von der Maßnahme betroffene Bereiche, unter anderem die Werkskantine, durften in ihrer Nutzung während des Umbaus nicht beeinträchtigt werden.
Es musste daher zunächst eine aktuelle und belastbare Plangrundlage geschaffen werden, um sowohl die Machbarkeit der Maßnahme als Entscheidungsgrundlage nachzuweisen als auch eine verlässliche Basis für die weitere Ausführungsplanung und eine möglichst störungsfreie Umsetzung zu schaffen.
Lösung
Durch ein Laserscanning des gesamten Installationsschachtes vom Keller bis zur Dachzentrale wurden Punktwolken erzeugt, die in ein CAD-Programm eingelesen werden konnten.
Auf Basis dieser Punktwolken erfassten CAD-Konstrukteure sämtliche Lüftungskanäle, Medienleitungen, Störkonturen, Schachtwände und weitere relevante Bauteile und überführten sie in ein dreidimensionales Modell.
Im Ergebnis konnte so sowohl die Machbarkeit der Maßnahme nachgewiesen als auch exakte Demontagepläne für den Rückbau der betroffenen Kanäle sowie detaillierte Montagepläne für die Ausführung der neuen Lüftungssteigekanäle erstellt werden.
Dadurch verringerte sich der Koordinationsaufwand der ausführenden Firmen vor Ort erheblich.
Darüber hinaus konnten Umschaltungen der weiterhin in Betrieb befindlichen Bereiche so geplant und umgesetzt werden, dass Beeinträchtigungen auf ein Minimum reduziert wurden.
Aufgrund der anspruchsvollen Terminkette ist diese Maßnahme vom scannen vor Ort bis zum fertigen, dreidimensionalen CAD Modell in drei Wochen umgesetzt worden.


